HONIGLEHRGANG
DES DEUTSCHEN
IMKERBUNDES

Der
Deutsche-Imker-Bund (D.I.B.) hat
hohe Qualitätsauflagen und Richtlinien an Imker, die ihren Honig mit dem
geschützten Warenzeichen des D.I.B. vermarkten wollen. Aus diesem Grunde dürfen
Imker des D.I.B. nur noch ihren Honig im D.I.B.-Glas in den Verkehr bringen,
wenn sie an einem D.I.B.-Honiglehrgang erfolgreich teilgenommen und ihr
erworbenes Wissen durch eine Prüfung dokumentiert haben.
Der
D.I.B. überprüft stichpunktartig alle D.I.B.-Imker, die ihren Honig mit dem Honigeinheitsglas
des D.I.B. in den Verkehr bringen und bewertet das
Gesamtprodukt. Wird dabei festgestellt, dass Mängel in der Qualität des
Honigproduktes bestehen, kann dies zum Ausschluss aus dem D.I.B. für den Imker
bedeuten, aber auf jeden Fall den Verlust
des Rechtes auf Vermarktung des Honigs im D.I.B.-Glas.
Das D.I.B.-Glas ist ein Garant für einen
qualitativ einwandfreien und absolut hochwertigen Honig!

Der Honiglehrgang des D.I.B. hat
folgende Inhalte :
- Welche Honig-Bezeichnungen
gibt es?
- Wie entsteht Honigtau
(Waldhonig)?
- Welche Inhaltsstoffe
hat Honig
- Wie entsteht Qualitätshonig?
- Welche Vorbereitungen
für das Schleudern müssen getroffen werden?
- Das Ernten,
- Das Schleudern,
- Das Filtern,
- Das Klären,
- Das Rühren,
- Das Abfüllen,
- Das Impfen des
Honigs
- Das Lagern
- Was ist ein D.I.B.-Einheitsglas?
- Welche Bedeutung hat das Abschleudern
für die Qualität des Honigs im nächsten Jahr?
- Gibt es Rückstände
im Honig?
- Welche Bewertungskriterien
gelten für Qualitäts-Honig?
- Welche Empfehlungen für die Vermarktung
von Honig gibt es?
Honig-Bezeichnungen:
- Frühjahrshonig (Frühjahrsblütenhonig)
- Sommerhonig (Sommerblütenhonig)
- Waldblütenhonig
- Sortenhonige (Reinanteil > 51%; z.B. Raps, Löwenzahn, Tannen,
...)
- Mischhonige (z.B. Wald- und Blütenhonig)
Honigtau:
- ... wird von Baumläusen (Lachniden, Lekaniden) erzeugt. Der Honigtau
wird von Ameisen als Futter von den Baumläusen gemolken. Baumläuse scheiden
aber auch Honigtau aus, der dann von den Bienen aufgenommen wird. Im Umkreis
von 200m eines Ameisenhaufens lohnt es sich nicht, Bienenvölker aufzustellen,
da die Ameisen die „Läuse leer-melken“.
- Waldhonige eignen sich nicht als Winterfutter für Bienen, da deren
Inhaltsstoffe den Stoffwechsel der Bienen über den Winter hindurch stark
belasten (Ruhrgefahr)
Inhaltsstoffe des
Honigs:
- Traubenzucker (Glucose; 28% bis 35%)
- Fruchtzucker (Fructose; 34% bis 41%)
- Wasser (< 18, gem. DIB; ab 20% setzt die Gärung ein)
- Mehrfachzucker (1% bis 15%)
- weitere 180 Stoffe (Aromastoffe, Aminosäuren, Enzyme, Vitamine,
Mineralien, Pollen, Säuren, Inhibine)
Im Gegensatz zum Honig besteht der gewöhnliche Haushaltszucker
zu 100% aus Mehrfachzuckern und hat keine weiteren
Inhaltsstoffe.
- das führt zu einem schnellen Ansteigen des Blutzuckerspiegels und einer
prompten Ausschüttung von Insulin. Ein verstärktes Hungergefühl mag die Folge
sein; der Stoffwechsel wird vermehrt belastet.
- beim Honig werden die Einfachzucker langsam in die Blutbahn abgegeben;
der Stoffwechsel wird angeregt. Der Mensch kann alle Stoffe des Honigs zu 100%
verarbeiten und verwerten!
Entstehung von Qualitätshonigs im Bienenvolk:
- 3 – 5 Millionen Blütenanflüge und/oder 60.000 Stockausflüge sind
notwendig für 1 Kilogramm Honig
- ein Bienenvolk produziert im Durchschnitt 30kg/anno.
- die Flugbiene übergibt im Stock den Nektar einer Stockbiene, die
wiederum im oberen Stock einer anderen Biene den Nektar übergibt; dies kann
sich mehrfach wiederholen. Bei jeder Übergabe gibt die Biene Enzyme in/an den
Nektar/Junghonig ab. Oftmals wird der Junghonig in der Nähe des Brutnestes
zwischengelagert; dort herrscht die höchste Temperatur und der Wassergehalt
reduziert sich durch Verdunstung. Zu einem späteren Zeitpunkt wird der Honig
in den Honigraum umgetragen. Eine weitere Methode der Biene, den Wassergehalt
des Honigs vor der Einlagerung zu reduzieren, ist das „Rüsselschlagen“.
Hierbei nimmt die Biene einen Tropfen Honig zwischen ihre waagerechten
Mundwerkzeuge und bewegt diese hin und her. Durch Ventilieren der Bienen am
Flugloch entsteht ein Luftsog, so dass Luft und Feuchtigkeit aus dem Stock
gesogen wird, ein Vorgang, der ebenfalls zur Verdunstung des Wassers im Honig
beiträgt auch wenn der Honig schon verdeckelt sein sollte.
- Qualitätshonig kann nur von gesunden und vor allem starken
Völkern entstehen. Aus diesem Grunde „entsteht“ der Honig ab Ende Juli bis
Ende Oktober (Brutstop), wenn die Winterbienen angesetzt werden und der
Einfütterung nach dem Abschleudern (Beim Futter lieber Klotzen als Kleckern!).
Im Frühjahr sollte erst der Brutraum freigegeben werden, wenn im Brutraum alle
Waben mit Bienen gut besetzt werden. Bei Aufsetzten des Honigraumes können
mehr als 50% Mittelwände dem Volk zum Ausbauen gegeben werden
(Wachsschwitzen). Ein schwaches Volk kann den eingebrachten Nektar nicht
genügend oft weitergeben und umtragen mit der Folge, dass dem Honig weniger
Enzyme zugeführt werden. Des weiteren mag die Stocktemperatur nicht
ausreichend hoch bzw. gleichbleibend sein, so dass der Honig einen zu hohen
Wasseranteil aufweisen mag.
Die Honigernte und Vorbereitung des
Schleuderns:
- Honigraum muss sauber, trocken, ohne Fremdgerüche, Bienenfrei sein und
> 25° Raumtemperatur haben, sowie waschbar sein; keine Tiere.
- Wabentransport stabiler, sauberer und verschließbarer Behälter (z.B.
Zarge mit Boden und Deckel )
- Geräte sauber, nicht rostig (mögl. aus Edelstahl oder Kunststoff),
geruchsneutral
- Imker selbst sauber, Kopfbedeckung, keine fusselnde Kleidung tragen
- Gläser gesäubert, klar gespült und trocknen lassen, also nicht mit
einem Tuch abgetrocknet (Fussel)
- vor dem Schleudern sollte alles erneut gereinigt werden!
Das Ernten, Schleudern, Klären, Filtern und
Rühren:
- Ernten: wenn eine Tracht beendet ist (z.B. Ende
Rapsblüte)
- nach einer > 1-tägigen Schlechtwetterperiode (kein Flugbetrieb),
da alle Bienen im Stock sind und für eine erhöhten Temperatur sorgen, so
dass der Wassergehalt des Honigs sich noch einmal reduziert.
- reifen und Erntefähigen Honig ermittelt man:
- Spritzprobe
- Messung mit einem Refraktormeter
- wenn mehr als 2/3 verdeckelt ist
- > ½ Tag vor Honigentnahme Bienenflucht einsetzen
- Waben wenn möglich morgens entnehmen
- Honigzarge abnehmen und Leerzarge auf Volk aufsetzen
- Bienen in Leerzarge abkehren
- Schleudern:
- Schleuderraum > 25°;
- Waben entdeckeln;
- Schleudern der ersten Seite langsam, wenden und zweite Seite langsam
schleudern;
- wieder wenden und Vorgang wiederholen mit schneller Rotation.
- Filtern:
- Honig durch Grobsieb laufen lassen; danach fein-sieben, eventuell
feinst-sieben (Trichtersieg); je feiner gesiebt, desto besser.
- Klären:
- Honig verschlossen einen oder zwei Tage ruhen lassen;
- danach mit einem Kunststoffrakel den „Schaum“ abnehmen.
- Rühren:
- ... wenn der Honig beim Durchziehen „Schlieren“ zieht (Beginn der
Kristallisation, die es zu unterbinden gilt).
- Grundsätzlich gilt:
- langsam von Innen nach Außen, und danach von Außen nach Innen
Rühren
- keine Luft unterrühren
- max. 2x täglich!
Abfüllen des
Honigs:
- wenn Honig gerade noch zähflüssig
- immer neue Deckeleinlage verwenden
- nur saubere Gläser verwenden; DIB-Gläser nur in Verbindung mit
Gewährstreifen und DIB-Deckel verwenden (geschütztes Warenzeichen)
- Einfüllgewicht mind. 498gr.; max. 505gr.
- Gläser sollten die gleiche Temperatur haben wie der Honig
- Honig in die Mitte des Glases gießen ohne Luft einzuschließen
- nach 24 Std. die Deckel erneut anziehen
- Das Impfen des Honigs ermöglicht ein Abfüllen
ohne mehrfaches Rühren
- nach dem Klären wird unter ständigem/gleichzeitigem Rühren 5%-10%
fertiger Honig (z.B. vom letzten Jahr), der die gewünschten Konsistenz hat,
mit dem neuen Honig so lange gemischt/gerührt, bis alles eine Masse geworden
ist und optisch kein Unterschied mehr zu sehen ist. Der Impf-Honig wird
dafür leicht erwärmt (< 40°) bis er gut fließbar, aber nicht flüssig
ist.
- danach wird nach einer kurzen Ruhepause (zum Entweichen der
eingeschlossenen Luft) der ge-impfte-Honig flüssig in die Gläser gefüllt;
dort nimmt der Honig die Konsistenz des Impf-Honigs an.
Lagerung des
Honigs:
- dunkel
- trocken
- sauber
- so bleibt der Honig unbegrenzt haltbar!
Abschleudern:
- in Hessen Mitte/Ende Juli
- wenn einige Waben noch nicht reifen Honig haben, sollte aus allen
Völkern diese Waben gesammelt werden und einem (dem) schwachen ‚Volk zur
Pflege gegeben werden. Nach einer weiteren Woche können auch diese
geschleudert werden.
- danach erfolgt umgehend die Einfütterung und die Varroa-Behandlung.
Letztere ist besonders für das Überwintern notwendig, da die Königin schon zu
Julibeginn Winterbienen ansetzen kann. Eine starke Varroakonzentration kann zu
Schädigungen und Verkrüppelungen an der Winterbiene führen, was ein Überleben
des Volkes im Winter gefährdet bzw. die Völker im Frühjahr zu stark geschwächt
sind. („Guter Honig nur von starken und gesunden Völkern“.
Rückstände im Honig:
... sind möglich,
- denn „Was im Wachs ist, ist auch im Honig!“
- auf Grund von Umwelteinflüsse
- durch falsche oder nicht notwendige Anwendung von Varroa- und
Wachsmottenbekämpfungsmittel
- D.I.B.-Imker gehen schonend und verantwortungsbewusst mit
Schädlingsbekämpfungsmittel um und bevorzugen ausschließlich zugelassene,
abbaubare naturidentische Stoffe und vor allem biologische Verfahren zur
Bekämpfung der Varraomatose (Bannwabenverfahren, Ausschneiden von Drohnenbrut,
...) .
Bewertung des
Honigs:
- Aufmachung (Äußerlichkeiten) (2x)
- das D.I.B.-Glas darf nur zusammen mit
dem D.I.B.-Deckel, der Deckeleinlage und dem Gewährstreifen in den Verkehr
gebracht werden
- Logo im Glas gegenüber dem Gewährstreifen-Logo
- 6-Eck-Lasche passend auf Deckel; Gewährstreifen gerade und
waagerecht
- keine Leimspuren am Glas
- Sauberkeit des Honigs ( 5x)
- Beurteilung der Verunreinigungen im Honig an der Seite und am Boden
des Glases
- Zustand des Honigs (5x)
- kandierter Zustand:
- gleichmäßige Farbe
- Bläschen/Lufteinschlüsse
- Größe der Kristalle
- keine Schaumschicht
- nicht gärig
- flüssiger Zustand
- Lufteinschlüsse
- nicht entmischt
- keine Schaumschicht
- nicht gärig
- Geruch des Honigs (1x)
- Geschmack des Honigs (1x)
- Wassergehalt des Honigs (4x)
- HMF-Gehalt des Honigs (5x)
- chemische Untersuchung („Honig tot oder nicht“) ;~}
Fehler, die zum Ausschluss aus dem Deutschen-Imker-Bund
(D.I.B.) führen sind:
- Fehlender oder falscher Gewährverschluss, falsches Glas und/oder
falscher Deckel
- zu wenig Honig eingewogen
- der Honig ist gärig
- der HMF-Gehalt überschreitet den festgesetzten Grenzwert
- der Wassergehalt überschreitet den festgesetzten Grenzwert
- bei der mikroskopischen Untersuchung wurde festgestellt:
Auslandspollen
- Fremdkörper (z.B. Pollenersatzstoffe)
- Glas beschädigt
Vermarktung des
Honigs:
- nicht wenige Leute wissen nicht, dass ein Imker auch Honig verkauft
- „Wer keine Werbung macht, um Geld zu sparen, ist wie jmd., der die Uhr
anhält, um Zeit zu sparen.“
- Werbung für den eigenen Honig ist keine Abwertung des eigenen
Produktes, sondern eine Aufwertung
- Schild am Haus
- Flyer im eigenen Wohnumfeld verteilen
- Marktstand (Wochenmarkt; Dorffest-Markt, ...)
- z.B. beim Bäcker und im Naturkostladen als Zwischenhändler (zunächst
als Kommissionsware; Gewinn für Bäcker DM 1,-- bis DM 1,50)
- im Bekannten- und Freundeskreis begeistert von der Imkerei erzählen und
auch erwähnen, dass man pro Volk 30kg im Jahr erntet.
- Vermarktung so weit ankurbeln, wie auch über ein Jahr lieferbar
ist.
- D.I.B.-Richtpreis: DM 7,-- darf nicht unterschritten werden
- Geschenke an Stammkunden können sein: Honigbonbons, Kerzen, Bärenfang,
Met, ..., alles möglichst Imkerei bezogen, aber keinen Honig!
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